Nein, der Film Rundweltmädchen Gesucht! ist definitiv noch nicht so alt. Was aber wirklich schon fünf Jahre her ist, war der ursprüngliche Aufhänger, das Schlüsselerlebnis, dass den Film überhaupt ins Leben gerufen hat.
Es ist ja einigen bekannt, dass das Rundweltmädchen tatsächlich existiert hat und wohl noch immer tut, und auch das Gespräch in der U-Bahn mehr oder weniger wie im Film abgelaufen ist.
Was ich noch weiss, war dass ein es verdammt schöner Samstag war (definitiv nicht so wie heute) und das ich nachmittags durch die halbe Stadt gelaufen bin um das Debütalbum von Wir sind Helden zu bekommen.
Und was jetzt schonmal anders ist als im Film: Irgendwann abends bin ich in die U-Bahn gestiegen, Ziel war das Tollwood in München, selbsterteilter Auftrag war das Beschaffen von Tabak für meine Wasserpfeife und statt dem Buch im Film hatte ich einen Discman am laufen, bei dem ich abwechselnd zwischen den White Stripes und den Helden hin und her gewechselt habe. Aber ja, irgendwann ist mir dann dieses Mädchen gegenüber gesessen und ja, sie hat genau dasselbe Buch gelesen: ‘Rettet die Rundwelt’ von Terry Pratchett. Und ich weiss noch, wie ich etwas verwirrt auf das Cover geschaut habe. Die Scheibenweltbücher von Terry Pratchett habe ich gekannt (Für alle Unwissenden: Stellt euch einfach Futurama oder die Simpson im Fantasyszenario vor) aber die Rundwelt?

Ich muss wohl ein etwas arg fraglos dreingeblickt haben, jedenweils hat mir das Mädel gleich das Cover hingehalten und mich ziemlich hinreissend angelächelt. Wie sie ausgesehen hat? Ich kann es leider nicht mehr ganau sagen. Hübsch? Das schon, recht heller Typ, freundlich, schlank, tolles Lächeln aber würde sie mir irgendwann nochmals gegenübersitzen, bezweifle ich ob ich sie wieder dann auch erkenne. Wir haben uns also kurz unterhalten, nur ein paar wenige Details über das Buch, dass es abwechselnd eine Terry Pratchett Geschichte erzählt und zwischendrin immer wieder Wissenschaftler aller Art die Erzählungen etwas in einen realistischen Kontext bringen. Ich weiss noch, dass sie sagte, dass es jetzt nicht das leichteste Leseerlebnis durch diesen Kontrast zwischen Fakt und Fiktion ist. Ansonsten? Das Gespräch lief glaube ich gerade über ein oder zwei Stationen. Und dann bin ich am Stachus ausgestiegen. Warum? Ich wollte den René abholen von der Arbeit um nicht allein zum Tollwood zu fahren, ich war schon etwas zu spät und eigentlich, eigentlich habe ich mich ja nur kurz über ein Buch unterhalten. Also bin ich wirklich aufgesprungen wie im Film, ‘Oh, ich muss raus’, und bin rausgestürmt. Und dann stehe ich da, die Türen schließen sich und sie lächelt mich an, und dieses Lächeln war wirklich herzlich, und ich lächle zurück. Und wie im Film, auf der Rolltreppe dämmert mir, dass ich doch etwas mehr sagen hätte können, irgendwas. Oder bis zum Hauptbahnhof hätte fahren können, eine Station weiter. Aber warum habe ich es nicht?

Und ich weiss noch, wie unglaublich abwesend ich an diesem Abend war. Total neben mir habe ich auf dem Tollwood ein Bier getrunken und natürlich noch den Tabak gekauft. Und spätnachts haben wir noch Versus angeschaut, ein japanischer Wald- und Wiesen-Actionfilm der eigentlich nur aus Krawumm besteht, aber dieses ‘Warum hab ich nicht…?’ ging mir nicht aus dem Kopf. Das geht dann etwa so: In den Fernseher gestarrt, Yakuza wird von Zombie angefallen, ‘Warum hab ich sie nicht einfach nach ihrer Nummer’?, Bamm ein Kopf explodiert, dann ein Zug an der Wasserpfeife, ‘Ich Depp’, und irgendwas knallt und rummst, dann wieder Wasserpfeife, dann an das Mädel gedacht, dann wieder irgendetwas das in Versus niedergehauen ,-gestochen oder -geschossen wird und ich, wie ich dasselbe wohl gerade mit meinem Gewissen mache: ‘Wie konnte ich nur’: Peng, ‘ich Depp’ Bumm usw.

Faszinierend, dass man sich in etwas so reinsteigern kann, oder? Warum kann ich selbst nicht so ganz erklären. Vielleicht war das Mädel so toll, vielleicht war ein gutes Date mal wieder dringend nötig, vielleicht hat mir meine eigene Fantasie einen guten Streich gespielt (im geistigen Was-wäre-wenn-szenario spielen besitze ich durchausWeltmeisterqualitäten)
Ok, ich habe mich also geärgert, und das mit den Plakaten hat mich nicht mehr richtig in Ruhe gelassen. Also habe ich mich echt hingesetzt und die beiden folgenden Suchanzeigen gebastelt, die dann auch im Film leicht abgewandelt aufgetaucht sind:

Die Plakate hingen am folgenden Samstag am Stachus, am Odeonsplatz, Lehel, Hauptbahnhof, Ostbahnhof und bestimmt noch an den Wänden von ein oder zwei anderen U-Bahnstationen. So stur muss man erst sein, oder so verrückt. Und ja ich habe mir von meiner Schwester und einer ihrer Freundinnen helfen lassen. Mir allein, war das etwas zu peinlich, ehrlich gesagt. Realistische Lebenszeit der Plakate lag und auch höchstens bei ein paar Stunden in zweiter Versuch war genauso wenig erfolgreich. Die Putzleute in der U-Bahn sind folglich schneller als denkt.
Einziges Ergebnis: Eine Email der MVG, die etwa so ging (den Ausdruck habe ich sogar noch, aber ich weiss das recht auswendig):
Nachricht der MVG!
Ihre illegalen Suchanzeigen wurden entfernt. Bei erneutem Verstoß übernehmen Sie die Reinigungskosten.
Ziemlich genau so war der Text. Inklusive dem Ausrufezeichen bei Nachricht der MVG. Das gibt dem Ganzen doch so schön Druck, so ein Ausruf, so ein ‘Stillgestanden!’ wie beim Militär, damit man aufpasst. Hab ich wohl auch, weil ich es dann auch gelassen habe. Oh, es gab wohl noch ein zweites Ergebnis: Nach Information meiner Schwester war ich damit zumindest kurzfristig romantischer Held ihrer Mädchenschule, dass ist doch auch eine Errungenschaft.
Aber zurück zum Film, alles was nach den Plakaten folgt ist somit wohl mehr oder weniger frei erfunden: Keine Prügeleien mit dem Putzmann (obwohl ich mir da einen tatsächlichen Putzmann als Vorbild genommen habe), kein Kuss am Odeonsplatz und auch kein Wiedersehen mit dem Rundweltmädchen.
Würde ich Sie wiedersehen wollen? Klar, neugierig wäre ich immer noch. Weniger weil ich immer noch auf der Suche bin (spätestens der Filmdreh hat mich da therapiert) sondern einfach weil ich gerne wüsste, mit wem ich mich da überhaupt unterhalten habe. Und wieviele Frauen haben in weniger als zwei Minuten schon einen Kurzfilm inspiriert?
Aber nun zum Ende: Gibt es eine Moral von der Geschichte? Warum schreibe ich diesen alten Schmarn überhaupt noch nieder, wenn das Thema eigentlich erledigt ist? Ich kann euch nicht wirklich sagen ob ihr was aus der Geschichte lernen sollt. Wenn ihr jemanden interessanten trefft, einfach ansprechen und wenn nicht, dann schadet ein bisschen kreativer Ausgleich definitiv weniger als eine Prügelei mit einem Putzmann. So oder so ergebe es aber zumindest Gesprächsstoff, oder? Aber eigentlich bereite ich euch nur darauf vor, dass es Rundweltmädchen hier bald zum Stream und Download gibt. Ihr kriegt sozusagen noch etwas Vorbildung um diesen äusserst komplexen Film verstehen zu können und wenn er mal online ist, dann, ja dann habe ich vielleicht wieder einen Kopf der so frei ist um die nächste Geschichte zu erzählen, idenn rgendwann ist alles mal soweit abgeschlossen, dass auch wieder was Neues beginnt…
P.S. Die Bilder sind übrigens aus dem Teaser, den wir März 2004 gedreht haben. Zusätzlich zur bezaubernden Sarah Kandel gab’s ausnahmsweise auch mal meine Visage zu sehen. Kamera war wie quasi immer René Hoffmann. Den Schnitt habe ich damals sogar selbst verbrochen. Mein erster Versuch überhaupt beim Schneiden und man siehts
P.P.S. Die MVG ist natürlich nicht nur böse und gemein wenn es um verlorene Liebschaften geht. Ich war wohl nicht der einzige Spinner der irgendetwas vergessen hat, von daher hat tatsächlich jemand ein passendes Forum eingerichtet. Bevor ihr also lustige Plakate druckt, schaut lieber hier rein:
http://www.mvv-muenchen.de/de/home/fahrgastinformation/mobithek/freizeit/flirt/index.html